«Ich bin ein Fan der Marke RAUSCH»

Dieses Interview von Thomas Griesser ist am 13. Oktober 2020 im St. Galler Tagblatt erschienen.

 

Rolf G. Schmid, seit drei Jahren sind Sie Verwaltungsratsdelegierter der RAUSCH AG KREUZLINGEN. Nun steigen Sie interimistisch als CEO in die Hosen. Warum?

Ich bin ein Fan dieser Marke, mir gefallen die Produkte. In den drei Jahren seit ich dabei bin, habe ich die Inhaberfamilie Baumann gut kennengelernt. Marco Baumann wurde im Frühling aus dem Verwaltungsrat verabschiedet und mit dem Weggang von Lucas Baumann als CEO befindet sich die Familie und das Unternehmen nun in einer Situation, in der sie Unterstützung benötigen. Ich bin gerne bereit zu helfen.

 

Sie sind in der Ostschweiz schon einmal temporär als CEO eingesprungen, beim Textilveredler Cilander in Herisau, dessen Verwaltungsrat Sie präsidieren.

Das war vor eineinhalb Jahren, als Vincenzo Montinaro als Chef zurückgetreten ist. Bis sein Nachfolger Burghard Schneider das Amt angetreten hat, habe ich für etwa ein halbes Jahr übernommen. Das hat gut funktioniert.

 

RAUSCH streicht ihre Erfahrung in der Konsumgüterindustrie heraus, die sie in 20 Jahren als früherer Chef der Mammut Sports Group gesammelt haben, die im Bergsportsektor aktiv ist. Outdoorartikel haben aber mit Haarpflegeprodukten herzlich wenig zu tun. Wie soll das klappen?

Mammut bietet Kappen an, um Kopf und Haare zu bedecken (lacht). Es stimmt, es gibt nicht viele Gemeinsamkeiten. Ich bin auch kein Produktexperte. Das muss ich auch nicht sein, dafür haben wir bei RAUSCH genügend langjährige und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich muss die Situation kennen, die Absatzkanäle, die Kunden - und das tue ich.

 

Warum braucht es bei RAUSCH eine Interimslösung und steht keine nahtlose Nachfolge des zurückgetretenen Chefs Lucas Baumann bereit?

Es ist nicht so einfach, den richtigen Kandidaten oder die richtige Kandidatin zu finden. Lucas Baumann möchte sich jetzt beruflich verändern und wir sind noch nicht parat. Mit mir haben wir aber eine Zwischenlösung und ich bin ja nicht neu im Unternehmen. Als Verwaltungsratsdelegierter habe ich mittlerweile einen ziemlich guten Einblick auch ins operative Geschäft gewonnen.

 

Wie lange soll Ihr Engagement als Interims-CEO dauern?

Wir haben eine professionelle Suche eingeleitet. Das kann länger dauern, aber auch ein Glückstreffer ist möglich. Ich bleibe so lange, wie es mich braucht. Danach werde ich mich bei RAUSCH wieder auf das Mandat als Verwaltungsratsdelegierter konzentrieren.

 

RAUSCH verspricht sich von einem angestellten Manager eine weitere Professionalisierung. Wo überall?

Zum einen in der Digitalisierung. Wir wollen Prozesse digitalisieren und so in der Abwicklung schneller und effizienter werden. In der Automatisierung der Produktion haben wir noch sehr viel Potenzial. Dann geht es auch um das Internet als zusätzlichen Absatzkanal. Dabei denken wir nicht nur an unseren eigenen Webshop, sondern auch an unsere Handelspartner, die immer mehr online verkaufen. Dafür brauchen sie andere Informationen, Videos für Social-Media-Kanäle und so weiter.

 

Wo kann RAUSCH ausserdem besser werden?

In der Nachhaltigkeit. Wir können noch einiges tun, etwa bei den Verpackungen oder im Herstellprozess. Ich würde indessen nicht primär von besser werden reden, denn unsere Produkte sind ja schon sehr naturnah. Aber die Bedürfnisse unserer Kunden wandeln sich und damit müssen wir Schritt halten. Mit unserer Entwicklungsabteilung sind wir dafür sehr gut aufgestellt.

 

Welche Kompetenzen muss der neue Chef oder die neue Chefin sonst noch mitbringen?

Führungserfahrung in einem KMU, am liebsten in einem Familien-KMU. Ein solches tickt anders als ein Unternehmen in anonymem Fremdbesitz. Ideal wäre zudem eine gewisse Nähe zum Kosmetikmarkt oder zumindest generell zur Konsumgüterindustrie. Der neue CEO muss auch deutschsprachig sein und sehr schweizerisch geprägt. Und er muss die Werte, die Kultur und den Umgang der Firma RAUSCH mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern respektieren und vorantreiben.

 

Die Umsätze sind in den vergangenen Jahren gestiegen, doch die Margen stehen unter Druck. Wie kontert RAUSCH dies?

Dass die Margen unter Druck sind, ist branchenspezifisch. Der Grosshandel macht Druck, die Preise sinken tendenziell. Deshalb wollen wir ja über optimierte Prozesse und höhere Automatisierung effizienter werden und grössere Serien herstellen.

 

Die sie wo verkaufen wollen?

Zunehmend im Export. Unser Exportanteil liegt schon weit über 50 Prozent, dennoch sehen wir im Ausland noch viel Potenzial. Mit Themen wie Swissness und Nachhaltigkeit sind wir zeitgemäss und können punkten.

 

Nach Ausbruch der Coronakrise hat RAUSCH in Windeseile ein Desinfektionsmittel entwickelt. Warum hat man damit wieder aufgehört?

Wir hatten es entwickelt und auf den Markt gebracht, als Desinfektionsmittel Mangelware waren. Den Alkohol, also den Rohstoff, hatten wir im Haus und wir wollten einen Beitrag leisten, um den Mangel zu lindern. Jetzt aber hat sich die Lage beruhigt. Von uns aus war das als eine zeitlich limitierte Aktion geplant.

 

Wie hat RAUSCH die Coronakrise bisher gemeistert?

Sehr gut. Wir hatten das Glück, dass unsere Hauptabsatzkanäle wie Apotheken, Fachhändler oder Coop stets offengeblieben sind. Wir verzeichnen keine substanziellen Rückgänge. 2020 dürfte ein normales Jahr werden mit einem Umsatz etwa auf Vorjahresniveau.

 

Verwenden Sie selbst auch RAUSCH-Shampoo?

Selbstverständlich.

 

Und rüsten sich weiterhin auf Bergtouren mit Artikeln von Mammut aus, obwohl sie dort 2016 im Streit mit dem Verwaltungsrat gegangen worden sind?

Ich bin nicht im Streit gegangen. Wir hatten im Verwaltungsrat einfach unterschiedliche Meinungen in Bezug auf die Vision und die zukünftige Strategie. Die Überzeugung für ein gutes Produkt bleibt aber hängen, auch wenn man weg ist. Deshalb rüste ich mich weiterhin mit Artikeln von Mammut aus, aber nicht nur. Ich verwende auch Outdoor-Artikel der schwedischen Marke Fjällräven mit dem roten Fuchs.

 

Weil Sie im Verwaltungsrat der Muttergesellschaft Fenix Outdoor sitzen?

Genau. Und weil es gute Produkte sind.

 

Rolf G. Schmid (61) leitete 20 Jahre lang die Schweizer Mammut Sports Group bis er und der Verwaltungsrat sich 2016 einvernehmlich trennten. Seither übt Schmid verschiedene Verwaltungsratsmandate aus. Er präsidiert das Aufsichtsgremium des Textilveredlers Cilander in Herisau und sitzt in den Verwaltungsräten der Mobiliar, von Mobility oder Fenix, die unter ihrem Dach mehrere Outdoormarken vereint. Seit 2017 ist er Verwaltungsratsdelegierter der RAUSCH AG KREUZLINGEN.