Die Baumann-Brüder: Gemeinsam führen sie RAUSCH in die Zukunft

Lucas und Tom Baumann sind zwei ungleiche Brüder. Der eine strategisch und überlegt, der andere kreativ und kommunikativ. Was sie vereint ist der gemeinsame Wunsch, das Vermächtnis ihres Vaters erfolgreich fortzuführen. Im Interview sprechen sie über Geschwisterbeziehungen, grosse Fussstapfen und die zukünftige Nachfolgegeneration.

Tom Baumann, Anfang Mai 2020 haben Sie zusammen mit Ihrem Bruder die Aktienmehrheit der RAUSCH AG KREUZLINGEN von Ihrem Vater übernommen. Was bedeutet dieser Entscheid konkret? Kommen neue Aufgaben und Verantwortungen auf Sie zu?

Die Erfolgsgeschichte unseres Vaters ist einzigartig. Er hat das Unternehmen zu einem der bedeutendsten Arbeitgeber der Region in Kreuzlingen entwickelt und die Marke auch im hart umkämpften Umfeld erfolgreich positioniert. Ich freue mich, gemeinsam mit meinem Bruder diese Erfolgsgeschichte weiter schreiben zu dürfen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich aktiv in die strategischen Entscheidungen des Unternehmens einzubringen. Dass es nun Zeit ist, selber Verantwortung dafür zu übernehmen gehört ganz einfach zum Leben. Das ist mir besonders durch die Geburt meiner beiden Kinder bewusst geworden.

Lucas Baumann, als CEO begegnen die RAUSCH-Mitarbeiter Ihnen regelmässig im Gebäude. Mit Ihrem Bruder hatten allerdings noch nicht alle zu tun. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Wir sind stolz darauf ein Familienunternehmen zu sein, da kennt man sich einfach. Meinen Bruder haben die meisten an den Weihnachtsessen oder in der Band «Bliss» gesehen. Wir ergänzen uns super, denn mein jüngerer Bruder hat andere Stärken als ich und oft einen anderen Blickwinkel. Dadurch können wir gemeinsam erfolgreiche Lösungen entwickeln. Ich schätze an ihm, dass er mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Was ihn kennzeichnet sind seine einzigartigen kommunikativen Fähigkeiten, seine Kreativität und seine gewinnende Art.

Und welche Eigenschaften machen Ihren grossen Bruder aus?

Tom: Mein Bruder ist im Gegensatz zu mir eher ein ruhiger, besonnener Typ. Seine Stärke ist es, dass er immer das grosse Ganze sieht, mutig und visionär vorwärts geht, dabei aber auch überlegt und präzise ist.

Wer setzt sich in Diskussionen eher durch?

Lucas: Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, die sich gegeneinander durchsetzen müssen – wir wollen miteinander arbeiten. Gerade weil wir uns gegenseitig ergänzen, klappt das ganz gut. Ausser vielleicht in politischen Fragen, da gehen unsere Meinungen auseinander. Aber was die Arbeit im Verwaltungsrat angeht, sind wir zuversichtlich, dass wir gemeinsam das Kind schaukeln werden und Lösungen mit sinnvollen Kompromissen erarbeiten können.

Der Generationenwechsel kam zu einer Zeit, in der sowieso vieles im Umbruch ist. Nicht nur wegen Corona. RAUSCH selber ist gerade dabei seinen Markenauftritt auf allen Kanälen zu verjüngen und eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Wie sehen Sie die derzeitige Veränderung, die RAUSCH durchläuft?

Tom: Es liegt in der DNA unseres Unternehmens, längerfristig zu denken und voraus zu planen. RAUSCH geht es nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung. Dass wir stabil aufgestellt sind kommt uns jetzt zugut und wir können die Krise durchaus auch als Chance sehen für eine Weiterentwicklung. Der Markt und das Einkaufsverhalten haben sich stark verändert. Social Media ist dabei ein Feld, das viel zu bieten hat. Mit dem neuen Shopsystem nutzt RAUSCH auf seiner Website beispielsweise die Möglichkeiten des Social Shoppable, so werden Social Media Inhalte mit dem Shop verknüpft und können direkt via Website in den Warenkorb gelegt werden.

Lucas: Unsere Kunden sind mit der Marke mitgewachsen. Eine Zielgruppenverjüngung ist deshalb nötig, damit wir auch in 20 Jahren noch Kunden haben. Es ist mit viel Arbeit verbunden, diesen Change zu schaffen, doch wir haben ein sensationelles Team, das diesen Wechsel mit viel Know-how und Begeisterung vorantreibt.

Lucas Baumann, RAUSCH ist ein Familienunternehmen mit 130-jähriger Geschichte, gegründet von Josef Wilhelm Rausch, aufgebaut von Ihrem Grossvater, von Ihrem Vater weitergeführt. Das sind grosse Fussspuren. Wie gross ist der Druck, das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen zu müssen?

Der französische Regiesseur François Truffaut hat gesagt: «Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fussstapfen tritt». Ich verspüre deshalb keinen Druck. Mein Anspruch ist es, der RAUSCH-Philosophie treu zu bleiben und die Marke durch Qualität, Wirksamkeit und Swissness hervorzuheben. Wir werden die Marke RAUSCH noch stärker auf die Bedürfnisse der Zielgruppen ausrichten und das Unternehmen ins digitale Zeitalter führen.

Wie sieht es bei Ihren Kindern aus? Sollen diese irgendwann einmal ebenfalls in das Familienunternehmen einsteigen?

Tom: Wir werden unseren Kindern die freie Wahl lassen, ob sie in das Unternehmen einsteigen wollen, so wie es auch unser Vater getan hat. Um ein Unternehmen zu führen oder zu unterstützen braucht es aber auch bestimmte Fähigkeiten, nicht nur strategischer Natur. Es gehört mehr dazu, als nur der Sohn des Inhabers zu sein. Wenn der Wunsch aber da ist, werden wir unseren Kindern selbstverständlich die Möglichkeiten geben.

Lucas: Es gibt vier Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nachfolge: Können – Wollen – Dürfen – Sollen. Wenn also die Fähigkeiten und der Wunsch da sind, werden wir die Kinder selbstverständlich dabei unterstützen, selbst irgendwann einmal die Unternehmensnachfolge anzutreten.

Wie soll RAUSCH aussehen, wenn Sie vielleicht mit 70 Jahren selbst das Unternehmen an die nächste Generation weitergeben werden?

Lucas: Die wichtigste Voraussetzung ist es frühzeitig «loslassen» zu können. Als Patron muss man darauf vertrauen, dass anders nicht gleich schlechter bedeutet. Dabei gehört es dazu, dass Nachfolger auch ihre eigenen Erfahrungen machen müssen und dabei Fehler passieren können – wo gehobelt wird, da fallen Späne. Unabhängig davon, sollten sie sich dabei immer auf meine Liebe und ein gewisses Urvertrauen verlassen können. Sie sollten ein gesundes Unternehmen übernehmen können und es im Sinne der RAUSCH-Philosophie weiterführen.